AWARNESS

Awareness-Text ***Begriffs-Erklärungen am Ende***

Die FemWo-Orga ist keine einheitliche Gruppe – unser* Konsens ist, dass das FemWo ein Ort für Frauen*, trans*-, inter*- und genderqueer-Personen ist, an dem alle sich (soweit als möglich) wohlfühlen und keine Person diskriminiert werden soll.

Folgend einige Gedanken zum Thema Awareness im weitesten Sinn, die als Impuls zum Disku- tieren, Lernen und Handeln gedacht sind:

Awareness – Was ist das?

to be aware = sich bewusst sein, sich informieren, für gewisse Problematiken sensibilisiert sein

Awareness ist ein Konzept, welches sich mit respektvollem Verhalten einander gegenüber be- schäftigt. Es geht darum, sich gegenseitig zu unterstützen, indem wir* verletzendes und gren- züberschreitendes Verhalten und Diskriminierungen erkennen, als solche benennen und verän- dern lernen.

Annahmen/Stereotype

Wir* denken oft, dass wir einer Person ansehen, was für ein Geschlecht sie hat, ob sie gesund oder krank ist, ob sie „von hier“ kommt oder nicht, … ausserdem spielen gesellschaftliche Einflüs- se eine Rolle, was wir z.B mit Dicksein verbinden; mit normativ “gutem“ Aussehen; mit Frauen*, die an Beinen, im Gesicht, … behaart sind; mit Personen mit psychischen/körperlichen Beein- trächtigungen; Personen, die sehr klein/sehr gross sind, etc.. Stereotype sind eng mit Diskrimi- nierung verbunden und wir festigen sie durch unbedachtes Wiederholen.

Privilegien

Ein Privileg zu haben heisst nicht, glücklicher zu sein, sondern sich nicht mit gewissen Problemen herumschlagen zu müssen. Privilegierte Positionen sind z.B.: als weissgelten, Mann sein, hetero- sexuelles Begehren, Cisgender-Identität, Mittelschichtshintergrund, Geld haben, Hochschulbil- dung, schlank sein, gesund sein, Zeit haben, …

Privilegien können in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich wirken.

Hierarchien

Gerade in Gruppen und Zusammenhängen, die gegen Hierarchien arbeiten wollen, ist es wichtig darüber nachzudenken, dass es auch andere Hierarchien gibt als z.B. offensichtliche Machtpo- sitionen (Ämter, „Chef“positionen). In jeder Gruppe gibt es Personen, die z.B. viel wissen, lange dabei sind, als ‚cool‘ gelten, Personen, die neu und unsicher sind, etc., was alles unterschiedliche (temporäre) Ermächtigungspositionen schafft. Gesellschaftliche Normen und Privilegien machen auch vor emanzipatorischen Zusammenhängen nicht halt.

Aktivismus und Ressourcen

Die Annahme, dass alle die gleichen Voraussetzungen und Ressourcen haben, führt dazu, dass Personen mit weniger Ressourcen (Zeit, Geld, gesund sein, Mittelschichtshintergrund, vernetzt sein, Diskriminierungen, …) auch weniger an verschiedenen Formen, aktivistisch tätig zu sein, teilhaben können. Das ist ein Problem, das wir nur gemeinsam angehen können, z.B. indem wir uns austauschen und Ressourcen teilen.

Position und Empowerment

Was die eine Person empowert (=Kraft gibt, ermächtigt), bewirkt für eine andere Position viel- leicht nicht dasselbe. z.B.: wenn für die eine von Sexismus Betroffene* Ermächtigung bedeutet, mit nacktem Körper herumzulaufen, kann es für eine* andere* Ermächtigung bedeuten, ihren Körper zu verhüllen. Wenn eine Feministin* sich das Wort „Schlampe“ aneignet, um die Waffe, die es beinhaltet zu entschärfen, dann heisst das nicht, dass dies für alle von Misogynie bedrohten Positionen ein funktionierendes, empowerndes Mittel ist.

Konkrete Vorschläge:

Übersetzungen, Sprache

Versucht Leute miteinzubeziehen, entweder durch langsam und deutlich sprechen, Sprache wechseln oder übersetzen. Es wäre gut, zu Beginn eines Workshops/einer Veranstaltung ein paar Minuten Zeit dafür einzuplanen, Flüsterübersetzungen zu organisieren, und falls Leute laut übersetzen, regelmässig Pausen zu machen und warten, bis übersetzt worden ist.

Bilder von Gewalt

Bedenkt bitte, wie ihr Gewalt darstellt (sowohl in Bildern als auch in Erzählungen), da es ein sensibles Thema ist. Vorwarnungen können helfen.

Pronomen/Anrede

Bitte respektiert die Pronomen, mit denen Personen angesprochen werden möchten: es gibt beispielsweise ausser er, sie: sie_r, they, hen, keins, nur den Vornamen verwenden, und noch viele mehr.
Wenn ihr eine Namensrunde macht, schlagen wir vor, auch Pronomen-/Anredewunsch mit rein- zunehmen. Jede* Teilnehmerin* entscheidet selber, ob sie* ihr* Pronomen nennen mag.

Worte prägen

z.B.: verschiendenste Positionen sichtbar machen…

… indem ich Beispiele wähle, die unterschiedliche Identitäten, verschiedenen Beziehungsformen, verschiedenen Grundannahmen über Herkunft, Bildung, Erfahrungen mit Diskriminierungen mitdenken.
z.B.: trans*inter_genderqueer einschliessend sprechen…

… wenn von Frauen* die Rede ist, kann z.B. das Sternchen * auch ausgesprochen werden oder Frauen* kann zu ‚Frauen, trans*, inter_ , genderqueererweitert werden.

… das generische Feminin kann als emanzipatorische Praxis verwendet werden, in der alle in der weiblichen Form mitgemeint sind. * und _ schliessen trans*-, inter_- und genderqueere Personen ein. Sprache und Begriffe wandeln sich. Üben ist gleich Fehler machen und aus ihnen lernen!

Das FemWo ist gemeinschaftlich organisiert und alle sind mitverantwortlich für eine rücksichts- volle, wohlwollende Atmosphäre.
Wenn wir* bemerken, dass eine Situation gerade nicht ok für eine oder mehrere Person_en ist, können wir nachfragen, ob Unterstützung gewünscht wird und in welcher Form.

Es wäre gut, wenn wir* einander auf konstruktive, freundliche Art auf diskriminierende Verhal- tensweisen und sprachliche Sachen aufmerksam machen. „Calling out“ („zur Rede stellen“) kann

bewirken, dass wir uns „schlecht“ oder „unerwünscht“ fühlen, weil wir etwas falsch gemacht haben.

*** Wir* alle machen Fehler, auch noch die allergeübteste Person! ***

Wenn es einer Person nicht gut geht: für jemanden „da sein“ kann auch bedeuten, mit der betrof- fenen Person gemeinsam zu überlegen, wie sie in der vorgefundenen Situation zurechtkommt, was ihr im Augenblick gut tun würde und wie sie handlungsfähig bleiben oder werden kann.

ausserdem:

+++ Safer / Braver Spaces +++ (=sicherere / tapferere Räume) Feministische Raumpolitiken – ob offen für alle Geschlechter, für flti, fltiaq, … versuchen Diskriminierung aktiv zu verändern. flt*i_-Räume wollen die Voraussetzungen für einen Austausch in einem geschützteren Rahmen bieten.
Warum nicht „safe“(„sicher“)? Da wir* alle Teil der Gesellschaft sind, können wir nicht „ausserhalb“ sein. Wir konstruieren die Verhältnisse mit. Es gibt also keinen ‚sicheren‘ Raum, und noch weni- ger einen sicheren Raum für alle unterschiedlichen Positionen. Wir können temporär geschützte- re Räume für unterschiedliche Positionen schaffen, in denen wir ‚tapferer‘ handeln lernen.

+++ Konsens-Prinzip +++ Wir* versuchen so weit wie möglich ein Konsens-Prinzipzu verwirklichen. Das bedeutet, dass Handlungen und Gespräche im gegenseitigen Einverständ- nis stattfinden, anstatt in der Annahme, dass etwas schon ok ist, wenn kein Widerstand kommt (z.B. eine Person einfach anfassen ohne zu fragen, etc.).

Bitte meldet euch zu Wort, falls ihr Fragen und Antworten habt, Bedürfnisse anmelden und Un- terstützung anbieten wollt, etc. … lasst uns diskutieren!

Begriffs-Erklärungen:
*das Sternchen macht hier sichtbar, dass es keine einheitliches „wir“ gibt, es kann zeigen,

dass mit Frauen* nicht nur Cis-Frauen gemeint sind, etc.

_Unterstrich macht hier die Vielfalt der Identitäten zwischen und ausserhalb von Mann/Frau sichtbar

Cis-Frauen / Cis-Männer: (cis = lat. diesseits) Frauen bzw. Männer, bei denen das bei der Geburt zugeschriebene Geschlecht mit dem gelebten Geschlecht übereinstimmt. Der Begriff Cis-Frau/Cis-Mann wird auch verwendet um aufzuzeigen, dass es noch andere Kategorien jenseits von Frau/Mann gibt. Ausserdem wird so versucht zu verhindern, dass z.B. Frau als Norm und Trans*Frau als Abweichung gesehen wird.

queer:Ist aus dem Englischen, wörtlich übersetzt: ‚schräg‘, wurde als Beleidigung für Ho- mosexuelle verwendet. Die Bewegung hat sich dieses Wort angeeignet und umgedeutet, so

dass queer heute eine positive Selbstbezeichnung ist.
FLTI*,FrauenLesbenTransInter (und das Sternchen als Markierung für die vielfältigen Aus-

drucksweisen)flt*i_aq:FrauenLesbenTransInterAromantischAsexuellQueer

Transgender, transident, trans*: (trans = lat. jenseits, hindurch) Begriffe, die als Selbstbe- zeichnung von Trans*personen dienen und auf verschiedene Weise die Vorstellung hinterfra- gen, dass es nur zwei Geschlechter gibt.
Personen, bei denen das bei der Geburt zugeschriebene Geschlecht nicht mit dem gelebten Geschlecht übereinstimmt – dabei ist die Selbstdefinition der Personen das Zentrale, nicht eine Bewertung von Außen.

Der Begriff Transsexuell wird von den meisten Trans*Personen abgelehnt, da er einerseits pa- thologisch ist (also die Menschen als „krank“ bezeichnet). Andererseits hat Trans*sein nichts mit Sexualität zu tun, wird aber oft verwechselt/gleichgesetzt.

Transweiblichkeiten / Transfrauen: leben im selbstgewählten weiblichen Geschlecht (bei vormals zugewiesenem männlichen Geschlecht).

Transmännlichkeiten / Transmänner: leben im selbstgewählten männlichen Geschlecht (bei vormals zugewiesenem weiblichen Geschlecht).

Genderqueer:genderqueer bezieht sich auf Menschen, die bezüglich sozialer Geschlechts- kategorien (Aussehen, Kleidung, Verhalten, etc.) oder ihrer Geschlechtsidentität nicht (ganz) in die zweigeschlechtliche Norm passen oder passen wollen.

Inter*:Menschen, deren Geschlecht medizinisch (physiologisch, hormonell) als uneindeutig gilt.
Der Begriff Intersexuell wird von vielen Inter*Personen abgelehnt, da er einerseits sehr patho- logisch ist (also die Menschen als „krank“ bezeichnet). Andererseits hat Intersexualität nichts mit Sexualität zu tun. Daher wird als Selbstbezeichnung eher Inter* gewählt.

AsexuellundAromantisch:Abwesenheit von sexueller bzw. romantischer Anziehung.

PoC:People of Color, ist eine Selbstbeschreibung von Menschen, die von Rassismus betrof- fen sind.